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Welpenspielgruppen – Sinn oder Unsinn?

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Welpenspielgruppen sind für die meisten Hunde der Einstieg in die Hundeschule. Hier tummeln sich dann oft mehr als zehn Welpen unterschiedlichen Alters und Größe auf einem Haufen. Es wird gebalgt, geknurrt, wild getobt und die Menschen schauen diesem bunten Treiben zu, denn es sieht ja so süß aus, wenn die Fellknäule miteinander spielen.

Mittlerweile ist ein Muss und gehört zum guten Anstand, wenn man seinem Hund eine gute Erziehung angedeihen lassen will, eine Welpenspielgruppe zu besuchen. Der Grundgedanke bei Welpenspielgruppen, die soziale Kompetenz der jungen Hunde zu schulen und zu fördern, ist an sich eine gute Sache, in der Realität sieht das Ganze dann schon etwas anders aus.

Was soll ein Welpe von einem anderen Welpen lernen? Ein gutes und souveränes Auftreten gegenüber anderen Hunden? Woher soll ein Welpe das gelernt haben? Solch eine Lehrfunktion kann nur ein souveräner erwachsener Hund übernehmen und kein Hundekind. Oder überlassen wir Kinder im Kindergarten sich selbst? Nein.

Welpenspielgruppen fördern unnatürliches Verhalten

In den meisten Welpenspielgruppen wird unnatürliches Verhalten gefördert. Die Welpen werden regelrecht aufeinander losgelassen, es wird gehetzt, gezwickt, bedrängt und gemobbt.

Schüchterne Welpen werden hier nur ängstlicher, da sie von den anderen Welpen bedrängt werden, oder aber sie lernen aggressiv zu reagieren, um die anderen von sich fern zu halten. Sie lernen Aggression als Ausweg.

Eher draufgängerische Welpen lernen, dass sie mit ihrem Verhalten zum Erfolg kommen und mit anderen Hunden alles machen können. Oft entwickeln sich diese Welpen zu regelrechten Mobbern.

Wenn nun der Hundebesitzer eingreifen möchte, hört er oft die Worte „das regeln die schon unter sich“. Doch was lernt der kleine Hund? Er lernt weder ein gutes Sozialverhalten, noch macht er die Erfahrung, dass sein Mensch ihm hilft und unterstützt.

Welpenspielgruppe gleich Hundeparty

Die typischen Welpenspielgruppen laufen ab wie eine reine Hundeparty. Durch Rennen und Toben werden die Welpen immer weiter gepusht und schaffen es nicht mehr in Gegenwart anderer Hunde zur Ruhe zu kommen. Hier entsteht oft die Assoziation Hund = Spiel. Immer wenn sie andere Hunde sehen, möchten sie unbedingt zu diesen hin und toben, ein ruhiges Kennenlernen ist hier kaum möglich. Dürfen oder können sie aus irgendeinem Grund nicht zu dem anderen Hund hin, werden sie frustriert und es resultiert daraus oft die so genannte Leinenaggression.

Wie kann man einem Welpen dennoch Hundekontakte ermöglichen, die ihm ein gutes Sozialverhalten beibringen? Suchen Sie sich die Sozialkontakte, die Ihr Welpe haben darf, genau aus und verabreden Sie sich gezielt mit erwachsenen und souveränen Hunden.

Legen Sie sehr viel Wert auf eine sozial gute Begegnung mit einem sozialkompetenten Hund, als viele mittelmäßige oder schlechte in Kauf zu nehmen.

Oft fällt im Zusammenhang mit Welpenspielgruppen das Wort Sozialisierung. Dem frischgebackenen Hundebesitzer wird eingeredet, dass er seinen Welpen in den ersten paar Wochen alles zeigen und beibringen muss, damit er gut sozialisiert wird. Aber oft werden diese Hundekinder einfach nur überfordert. Sozialisierung bedeutet die Vorbereitung auf das spätere Leben, also auf das Leben mit Ihnen. Doch Hunde können neue Dinge nicht nur bis zur Vollendung der 16. Lebenswoche, sondern ein Leben lang lernen.

Lassen Sie sich Zeit mit der Sozialisierung Ihres Welpen, zeigen Sie ihm in aller Ruhe und nach und nach die Umwelt, in der Sie leben und stellen Sie ihm immer wieder souveräne Hunde vor.

Möchten Sie dennoch eine Welpenspielgruppe besuchen, dann achten Sie bitte auf folgende Auswahlkriterien:

  • Die Gruppengröße sollte 4 – 6 Welpen nicht überschreiten. Außerdem sollte auf das Alter und die Größe der Hunde geachtet werden, sodass die Welpen auch zueinander passen.
  • Es sollte mindestens ein kompetenter Trainer vor Ort sein, der Stressanzeichen im Ansatz erkennt und die Gruppe ruhig führen kann. Außerdem sollte er nicht nach altertümlichen Methoden arbeiten, die den Hund ängstigen oder einschüchtern.
  • Es sollte zwischen Aktions- und Ruhephasen abgewechselt werden.
  • Die Aktionsphasen sollten dosierte Einheiten sein, die dem Welpen die Bindung zu seinem Menschen vertiefen lassen und sein Selbstbewusstsein stärken. Er soll mit seinem Menschen Spaß haben und erfahren, dass dieser immer da ist und er sich auf ihn verlassen kann.
  • Wenn möglich wäre es sinnvoll einen souveränen erwachsenen Hund am Training mit teilnehmen zu lassen, der regulierend bei dem Welpenspiel eingreifen kann.

Leider ist es nicht einfach eine gut zusammenpassende Gruppe zusammenzustellen.

Egal wie Sie sich entscheiden, ich wünsche Ihnen und Ihrem Hund, dass Sie den für sich richtigen Weg finden, Spaß miteinander haben und zu einem tollen Team zusammen wachsen.

autor_sabrina_reichel

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