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Welpenschule – Sinn oder Unsinn?

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Klein, süß, niedlich, verspielt und ein wenig unerzogen. Frauchen und Herrchen möchten von Anfang an alles richtig machen, mit dem kleinen süßen Kerlchen. Also ist der Gedanke schnell gefasst, mit dem Welpen eine Hundeschule zu besuchen. Die beste für den neuen Partner. Der Welpe soll Kontakt zu Artgenossen haben, soll spielen können, Gehorsam lernen. Das ist es, was die meisten Hundebesitzer für richtig halten, wenn sie ihren Welpen nach Hause holen. Doch was macht eine gute Welpenstunde/-schule aus? Dazu gibt es viele Meinungen. Fragt man Verhaltensforscher werden diese etwas anderes sagen als mancher Trainer, Züchter oder auch langjähriger Hundehalter, der schon einige Hunde in seinem Leben aufgezogen hat.

Der Trainer

Hundetrainer benötigen eine Genehmigung nach §11 Tierschutzgesetz. Jeder Trainer muss dafür an Schulungen teilnehmen und im Anschluss eine Prüfung ablegen. Geprüft wird hierbei die Sachkunde des Trainers. Des Weiteren sind jährliche Weiterbildungen in verschiedenen Bereichen der Hundeausbildung und Verhaltenstrainings verpflichtend.

Das Spiel

Spielen ist wichtig! Spiel stärkt die Beziehung zwischen dem Besitzer und seinem Welpen. Es fördert die Bindung des Welpen an seine neue Familie.
Spiel fördert die Kreativität und die geistigen Fähigkeiten eines Hundes.

Soziales Spiel mit Artgenossen ist wichtig für die soziale Kompetenz. Außerdem fördert adäquates Spiel die motorischen Fähigkeiten des Hundes.

Jede Art von Spielzeug ist geeignet. Zu beachten ist, dass sich niemand daran verletzten bzw. der Hund keine Teile davon verschlucken kann.

Interaktive Spiele zwischen Hund und Hundehalter sind am schönsten. Und Spiel macht nur dann Spaß, wenn jeder mal gewinnen kann.

Beim Spiel zwischen Welpen gilt es darauf zu achten, dass keiner der Welpen zum Opfer gemacht wird. Schnell ist es passiert, dass sich zwei oder mehrere andere Welpen gegen einen stellen und dieser zum Mobbing-Opfer wird.
Hier gilt es, rechtzeitig einzugreifen.

Sozialisierung

Bestenfalls hat der Welpe schon beim Züchter eine umfangreiche Sozialisierung durchlebt, so dass diese in der Hundeschule nur noch weitergeführt und ausgebaut wird.
Für die Hundeschule heißt das:

  • Fremde Menschen kommen zur Welpenstunde.
  • gemeinsame Spaziergänge an der Leine
  • Kennenlernen anderer Tiere z. B. Katzen, Hühner oder Kühe in der Nachbarschaft
  • Sozialisierung mit Artgenossen durch erwachsene Hunde mit hervorragender Sozialkompetenz
  • Gewöhnung an verschiedene Untergründe (Gras, Schotter, Gitter, Kunstrasen, Ballkiste, Wackelbretter etc.)
  • Gewöhnung an verschiedene Situationen (Stadtbesuche, auf einem Tisch stehen, Kämmen etc.)

Bindung

Bindung an den Menschen… an seinen Menschen ist für einen Hund sehr wichtig. Er soll Vertrauen zu seinem Menschen haben, zu ihm kommen, wenn er vor etwas Angst haben. Der Welpe soll nicht davonlaufen, weil er gelernt hat, dass wenn ihm etwas Angst macht, sein eigener Mensch nicht da ist, um ihn davor zu schützen. Das gilt sowohl für unangenehme, ängstigende Situationen wie auch die Angst vor anderen Hunden. Kaum jemand würde sein Kind mit dem Satz „Stell dich nicht so an!“ oder „Macht das mal unter euch aus!“ nach vorne schieben, um sich von einem älteren und stärkeren Rüpel verprügeln zu lassen.

Förderung von Motorik und Körperlicher Entwicklung

Durch den Einsatz von verschiedensten Wackel- und Wippbrettern, Ballkisten, unterschiedlichen Untergründen, Cavalettis und vielen anderen Dingen fördert man die körperliche Entwicklung eines Hundes. Jedem Hund kommt diese individuelle Förderung zu Gute. Besonders wichtig ist dies auch, wenn der Hund später eine bestimmte Aufgabe erfüllen soll oder wenn man mit ihm sportlich aktiv sein möchte. Gerade dann muss der Hund über eine sehr gut geschulte motorische Fähigkeiten verfügen.

Warum diese also nicht schon im Welpenalter spielerisch fördern?

Gemeinsame Aktivitäten stärken die Bindung. Hund und Hundehalter werden ein eingespieltes Team.

Sitz, Platz, Fuß und Komm

Das Hunde-ABC sollte jeder Hund beherrschen. Unverzichtbar ein zuverlässiger Rückruf.

Welpen können sich noch nicht lange konzentrieren. Deshalb sind mehrere kurze, individuelle Trainingseinheiten von 5 bis 10 Minuten für Welpen besser als Einheiten von 30 Minuten oder länger.

Gezieltes Training, fundierte Anleitung mit dem Clicker und Welpen lernen sehr schnell, welches Verhalten von ihnen gewünscht wird. Die richtige Belohnung trägt überdies zu einer guten Lernatmosphäre bei. Nach und nach werden die Anforderungen altersgemäß gesteigert und an das Können des kleinen Hundes angepasst.

Größe der Gruppen, Rassen und Alter

Die Gruppen pro Hundetrainer sollten generell nicht mehr als 4-6 Welpen überschreiten. Alter, Rasse und Größe spielen außerdem eine wichtige Rolle. Denn viele Rassen haben ein rassespezifisches Spielverhalten. Welpen müssen dies beim Umgang mit andersrassigen Hunden erst lernen.

Ältere Welpen sind in der Regel bereits reifer, gewandter und frecher als frische Neuankömmlinge. Und nichts ist schlimmer, als wenn die jüngere Welpen gleich zu Beginn des Welpenspieles von größeren Welpen platt gemacht werden. Hier ist der Trainer gefragt dies zu überwachen und einzugreifen.

Bei größeren Gruppen müssen deshalb auch mehrere Trainer anwesend sein, damit eine qualifizierte Betreuung gewährleistet werden kann.

Ein wichtiger Aspekt des Welpentrainings ist der Umgang mit gut sozialisierten, erwachsenen Hunden. Sie sind Leitlinien für die Kleinen, sie lernen durch Nachahmung, wie man sich zu verhalten hat.

Fazit

Die moderne Welpenschule/-stunde bereitet den Welpen und seinen Besitzer auf ein gemeinsames Leben vor. Sie fördert das richtige Verhalten, die soziale Kompetenz, Motorik und die Kommunikation zwischen Mensch und Hund.
Und vor allem: Sie schafft Vertrauen zwischen Hund und Besitzer.

Kirstin Piert

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