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Welpenschule? Da (be)steh ich drauf! – Bertiegeschichte

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Hallo liebe Freunde des gut sozialisierten Hundes,

ich muss euch unbedingt die Geschichte von Grizu erzählen. Also eigentlich ist es die Geschichte von Heidi und Grizu. Die Heidi bekam den Grizu, da war er ziemlich genau acht Wochen alt. Und weil Sie von Anfang an alles richtig machen wollte, ging sie gleich mit dem kleinen Mann zu einem Hundeplatz. Weil Sie nämlich wissen wollte, ob die dort auch eine Welpenspielgruppe haben. Der Mann, mit dem sie da gesprochen hat und der sich Trainer nannte, lachte sie nur aus. “Welpenspielgruppe? Wir sind doch hier nicht im Kindergarten!
Wer hat Dir denn den Floh ins Ohr gesetzt? So’n Quatsch, das ist doch nur Geldmacherei! Komm mal wieder wenn dein Hund neun Monate ist, dann kannst Du mit ihm arbeiten. Vorher bringt das sowieso nichts!”

bertieDa scheint die Heidi ja an einen echten Fachmann geraten zu sein. Der hat echt was drauf, ist ja auch ein waschechter Hundetrainer. Wenn Ihr mich fragt, ist der Typ ein Dummkopf und sollte sich lieber mit für ihn geeigneteren Aufgaben befassen. Ananas züchten in Alaska fällt mir da spontan ein.

Wenn ich als erfahrener kleiner Terrier nochmal einen Welpen zugeteilt bekomme, dann geht der mit Sicherheit in die Welpenschule. Das ist schließlich mit die wichtigste Zeit im Leben von so einem kleinen Racker. Und die sollte man nicht so einfach nutzlos verstreichen lassen. Unser Hundeleben teilt sich im Wesentlichen in sechs Phasen auf. Und eine davon ist die Sozialisationsphase. Die geht so ab der vierten Lebenswoche los und dauert dann ungefähr bis zur 16. Lebenswoche. In dieser Zeit lernt ein kleiner Welpe den Umgang mit seiner Umwelt. Er lernt bestimmte Dinge gut zu finden, andere lieber zu meiden und auch wieder andere zu hassen, um es mal menschlich auszudrücken. Außerdem lernt er, dass das Leben nicht nur aus “Juhu, da bin ich” besteht. Sondern, dass bestimmte Verhaltensweisen bei seinen Gegenübern bestimmte Reaktionen hervorrufen. Zunächst lernt der Welpe natürlich in seiner Familie, in die er geboren wurde. Im Idealfall zählen zu dieser Familie nicht nur seine Mutter und seine Wurfgeschwister, sondern auch einige andere Tiere, sowie eine Menschenfamilie mit Eltern, Kindern und Großeltern.

Ihr glaubt ja gar nicht, was so ein kleiner Welpe in kürzester Zeit lernen muss. Als erstes Mal muss er lernen, dass er ein Hund ist. Daraus ergibt sich dann, dass er sich mit seinen Artgenossen nur unterhalten kann, wenn er die Hundesprache lernt. Zunächst sind ihm dabei seine Mama, die ebenfalls im Haushalt lebenden Hunde und auch seine Wurfgeschwister eine große Hilfe. Aber, genauso wie in eurer Sprache, gibt es auch bei uns Dialekte und verschiedene Auslegungen von Sprache. Wir Hunde verständigen uns vielmehr durch Handlungen und Gesten, als durch Lautäußerungen. Diese Gesten können durchaus verschieden aussehen und trotzdem das Selbe meinen oder auch recht gleich aussehen und aber ganz etwas anderes meinen. Wenn mir z.b. mein Kumpel Oscar mit seiner Ringelrute etwas mitteilt, dann sieht das völlig anders aus, als bei meiner Freundin Bonny. Eben weil die Ruten schon in der Neutralstellung total unterschiedlich aussehen. Wenn ich als kleiner Welpe das nicht schon vor vielen Jahren gelernt hätte, dann wäre ich wahrscheinlich niemals Oscars Kumpel geworden, weil ich ihn nicht verstanden hätte.

Als ich in die Welpenschule kam, habe ich übrigens als erstes gelernt, dass wir Hunde allesamt total unterschiedlich spielen. Bei meinen Wurfgeschwistern war es nach guter alter Terriermanier absolut normal und überhaupt nicht unfair, wenn man dem anderen mal kräftig ins Ohr gebissen hat. Klar hat der gejault, aber er hat sich auch heftig gewehrt. Und so haben wir häufig sehr heftige Kämpfe ausgetragen, die meist damit endeten, dass unsere Mama uns in unterschiedliche Ecken schickte, bis wir uns wieder beruhigt hatten. So habe ich auch versucht in meiner Welpenschule mit Tiffi zu spielen, die ich sehr toll fand. Tiffi fand mich aber schon nach dem ersten Spiel doof. Denn sie stand nun gar nicht auf so heftige Raufereien. Ich lernte schnell, dass ich mich bei ihr, wie auch bei vielen anderen, etwas zurück nehmen musste, damit sie mit mir spielen. Das war lange nicht das Einzige, was ich in der Welpenschule gelernt habe. Aber allein das war schon Grund genug eine zu besuchen.

Euer Bertie

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© Hundeschule WIR2 |  Autor: Ralf Lindner | Vervielfältigung nur zum privaten Gebrauch | Veröffentlichung in jeglicher Form nur nach schriftlicher Genehmigung | Mehr zu „Bertie“ findet Ihr auf www.bertie-der-terrier.de und www.hundeschule-wir2.de


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