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Missverständnisse in der Hundeerziehung

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Wenn wir uns mit der Entstehung der Hunde beschäftigen, wird deutlich warum der Hund darauf aus ist mit uns klar zu kommen. Die Evolution funktioniert grundsätzlich so, dass nur solches Verhalten genetisch fixiert wird, bzw. vererbt wird, welches für das Überleben nützlich ist. Deshalb muss jedes Verhalten grundsätzlich als sinnvolle Maßnahme der Natur angesehen werden. Als Wölfe zu Hunden wurden, war der Mensch der grundlegende Motivator. Er brachte mit seinen Lagerplätzen und den anfallenden Abfällen eine neue Nahrungsquelle ins Spiel. Diese war so zuverlässig, dass es sich offensichtlich lohnte sie zu erschließen.

Schwierigkeiten die im Zusammenleben mit Hunden auftreten, entstehen nicht deshalb, weil der Hund uns Böses will, uns ärgern will oder gar die Alleinherrschaft im Palast beansprucht. Der Knackpunkt liegt vielmehr darin, dass wir das Verhalten nicht verstehen und erwidern können, welches beim Zusammenleben mit einem Beutegreifer angebracht ist.

Ein Hund bringt ein enormes Potential an sogenannter „sozialer Kompetenz“ mit. Diese  Fähigkeiten im sozialen Miteinander sind für unsere  Familienstrukturen grundsätzlich sehr kompatibel. Mit einem klitzekleinen Haken – dieser Kollege kommt schon bewaffnet bei uns an! Nun ist es ja aber  nicht so, dass der Hund sich uns als Kumpels oder sogar Familie aussucht.  Das heißt aber, wir holen uns FREIWILLIG ein Raubtier ins Haus, in unsere Familien.  Lassen Sie mit unseren Kindern spielen, usw..

Sollte es da für uns, als die intelligentere Lebensform nicht selbstverständlich sein uns dem Hund anzupassen?!

Doch! Und wir tun das ja auch! Meist sogar mit den besten Absichten.  Aber wir tun es eben wie Menschen das tun. Tja, wie wir alle wissen sind wir glücklicherweise nicht mehr auf die Jagd und das töten von Beutetieren angewiesen. Doch ein Hund kann nur so reagieren wie es ihm als soziallebendes Tier mit Zähnen gegeben ist.  Er kann nicht sagen „STOP! – ich fühle mich überfordert, ich versteh kein Wort von dem was Du sagst? Ich will es ja verstehen, aber offensichtlich reden wir komplett aneinander vorbei!“  Wir Menschen haben eine so komplexe Kommunikation und so vielschichtiges Ausdrucksverhalten entwickelt, dass wir in der Regel versuchen Probleme durch Sprache zu lösen, incl. Gestik und Mimik. Hunde haben diese Kommunikationsmöglichkeiten nur in sehr begrenztem Umfang zur Verfügung und haben deshalb eine andere Form der Kommunikation entwickelt. Sie treten hauptsächlich über Körperliche Signale in Kontakt. Kleine mimische Veränderungen sprechen unter Hunden wahre Bände. Dies führte natürlich auch während der Domestikation dazu, dass Hunde sehr genaue und feine Beobachter wurden.

Wenn man sich die natürlichen Folgen vor Augen führt, die diese Konstellation von Mensch und Hund mit sich bringt, nämlich jede Menge Missverständnisse , dann wird deutlich, dass wir gar nicht umhin kommen widersprüchliche Signale zu senden. Ungewollt. Wir zeigen Wohlwollen und Zuneigung  für das hündische Verständnis mit Signalen einer potentiellen Bedrohung. Durch unsere Größe und unsere natürlichen Verhaltensweisen sind wir für Hunde zuallererst eine Bedrohung. Die Anpassungsleistung leistet hier der Hund. Der lernt im ersten Jahr so viel wie unsere Kinder in den ersten 14 Jahren!  Er lernt durch seine scharfe Beobachtungsgabe unsere Laune, Stimmung und eventuelle Absichten zu erkennen. Da unser Familienhund keine Arbeitskollegen, Vereinsleben oder sonstige Alternativen hat, sind wir für Ihn der Dreh-, Angel- und Mittelpunkt seiner Existenz .

Beißen ist eine Handlung, die aus irgendeiner „Not“ heraus entsteht. Es ist niemals die erste Wahl im Verhaltensrepertoire. Glücklicherweise sind schlimme Beißvorfälle selten. Doch uns sollte auch bewusst sein, dass dies zum Großteil dem Hund und seinem Naturell zu verdanken ist.

autor_juergen_seidel

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