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Training mit dem Futterbeutel

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Oftmals bekommen hilfesuchende Hundehalter den Tipp, mit einem so genannten Futterbeutel oder Futterdummy zu trainieren, wenn der Hund mal wieder Probleme mit Artgleichen hat, wenn er hetzt, jagt oder nicht abrufbar ist.

Zur Vorgehensweise:

Ein Futterbeutel mit Reißverschluss (sieht aus wie ein Federmäppchen aus Schulzeiten) wird mit Futter bzw. Leckerchen befüllt und der Hund darf zunächst daraus fressen. Dann wird die Beute bzw. der Futterbeutel geschlossen und weggeworfen. Ziel ist es, so die Aussagen der Tierpsychologen, dass der Hund diesen Beutel zurückbringt, dieser vom Hundehalter geöffnet wird und der Hund sich daraufhin daraus bestätigen darf.

Es ist schon erstaunlich, für wie dumm man Hunde hält. Da man lediglich die letzte vom Hund gezeigte Aktion belohnt, nützt dieses Training herzlich wenig bei wirklichem Fehl- und Problemverhalten. Das hat nichts mit Verhaltensumlenkung zu tun, denn das bestehende Problem z.B. Artgleichenaggression, Hetzen oder sonstiges Verhalten wurde nie entkoppelt von auslösenden Reizen. Ein Hund kann nicht über mehrere Variable verknüpfen. Alleine die Vorstellung, dass man versucht, mit diesem Hilfsmittel Hunde vom Hetzen, Jagen, Stöbern etc. abzuhalten, ist mehr als abenteuerlich, denn gerade durch das Wegwerfen des Futterbeutels (aus Sicht des Hundes handelt es sich um Beute), hat das Tier nur gelernt: Hetzen, Beute schlagen und dafür auch noch belohnt werden!

Ungewollt fördert man also speziell den Hetz- und Beutetrieb des Hundes. Damit nicht genug: Der Hund bestätigt sich statt über den Menschen wieder einmal eigenständig. Genau diese Unabhängigkeit ist aber doch Teil der Ursache des Problems: „Der Hund entscheidet selbständig und muss aus Fehlern lernen“.

Weitere mögliche Probleme durch die Arbeit mit dem Futterbeutel:

Was tun, wenn ein Hund beim Anblick eines Aggressors nicht an Futter interessiert ist? Was tun, wenn der Hund die erlegte Beute nicht abgeben will, sondern aggressiv verteidigt? Was tun, wenn der Beutel leer ist und mir weitere Artgleiche begegnen? Was tun, wenn durch das Werfen andere Artgleiche erst den Kampf um die Beute beginnen? Was tun, wenn der Hund nicht zwischen geworfenem Futterbeutel und Hase, Reh, oder Vogel unterscheidet?

Diese unsinnige Ablenkungsstrategie sorgt zumindest für folgendes: Der Hund kann in diesen Situationen nicht lernen, Führung und Kontrolle dem Menschen zu überlassen. Wieder einmal handelt es sich um reine Symptomarbeit! Doch die vermeintlichen Experten haben hier vorgesorgt und empfehlen gleichzeitig mit dem Einsatz des Futterbeutels eine sog. „Schleppleine“ oder auch „lange Leine“ zu verwenden. Man werfe also den Futterbeutel, lasse den Hund hinterher hetzen und nachdem er die Beute im Fang hat, ziehe man ihn mittels der Leine zu sich.

Grandiose Idee: Wir lassen den Hund bewusst Fehler machen und korrigieren diese gleichzeitig wieder. Stellen Sie sich das bitte einmal aus Sicht des Menschen so vor: Ich werfe einen 500 Euro-Schein weg, Sie laufen hin und heben ihn auf, worauf ich Sie unter Zwang zu mir hole und mein Geld zurückhaben möchte. Würden Sie sich dabei nicht ganz schön verkohlt vorkommen und würden Sie dies ein zweites Mal wieder tun? Und was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?

 autor_weinrich

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Meinungen unserer Leser zum Artikel: Training mit dem Futterbeutel

  • Sehr geehrte Frau Weinrich,

    ich stimme Ihrem Artikel insofern zu, als dass die Arbeit mit einem Futterbeutel keine Ursachenbearbeitung ist, sondern lediglich eine Symptombekämpfung, wenn er eingesetzt wird, um den Hund davon abzuhalten, Artgenossen anzupöbeln etc.

    Dennoch hat der Einsatz des Futterbeutels seine Berechtigung z.B. als eine alternative „Jagdstrategie“, wenn der Einsatz eine von zahlreichen Trainingsstrategien im Bereich des „Anti“-Jagdtrainings ist.

    Beim Lesen Ihres Artikels sind mir einige Unstimmigkeiten aufgefallen:

    1) Es ist z.B. erstaunlich: Einerseits sind Sie verwundert darüber, dass viele Hundehalter, wie Sie es nennen, einen Hund für „dumm“ halten – andererseits gehen Sie nach wie vor davon aus, dass ein Hund eine Reaktion (z.B. eine Belohnung) nur mit der zuletzt gezeigten Aktion verknüpft – dabei ist längst bekannt, dass Hunde sehr wohl Verhaltensketten erlernen und durchschauen können.

    2) Des Weiteren sprechen Sie an, der Hund würde sich eigenständig belohnen – mir erschließt sich nicht, wodurch er dieses tut – schließlich apportiert er den Futterbeutel zu seinem Menschen und wird dort belohnt, also tatsächlich in Abhängigkeit von seinem Menschen. Der Hund öffnet ja nicht selbst den Futterbeutel – das tut der Mensch – und ohne diesen kommt der Hund nicht zum Erfolg. Selbst, wenn ein Hund tatsächlich nur eine Belohnung mit einer zuletzt gezeigten Aktion verknüpfen könnte, so wie sie es beschreiben, so wäre dieses das Zurückbringen des Futterbeutels – also eine Rückorientierung an den Menschen, der für den Erfolg sorgt.

    3) Scheinbar haben Sie sich mit dem Einsatz des Futterbeutels wirklich nur oberflächlich auseinandergesetzt, denn: Er kann weitaus variantenreicher eingesetzt werden, als nur so, dass er geworfen wird und der Hund ihn direkt hetzen darf. Mit dem Futterbeutel kann wunderbar Impulskontrolle geübt werden, indem er fliegt, der Hund abwartet und dann für das Einhalten von Ruhe belohnt wird, indem er ihn apportieren darf.
    Im Übrigen kann das Apportieren auch anders aufgebaut werden, als dass man den Hund mit einer Schleppleine „heran angeln“ muss.
    Es wäre schön, wenn Sie sich demnächst differenzierter mit einer Thematik auseinandersetzen, bevor Sie sie verteufeln. Ein Hilfsmittel an sich muss nicht schlecht sein – es kommt stark auf den Kontext und Einsatz an.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Johanna Pelz

    Johanna Pelz 21. Mai 2014 17:04
  • Ich benutze den Futterbeutel eigentlich nur zum Suchen.
    Er wird irgendwo in Der Wohnung versteckt und mein Hund muss ihn suchen und mir bringen. Dann bekommt er etwas Fressen daraus und der Beutel wird wieder vesteckt.
    Das ist ein schönes SPiel, wenn es draussen doll regnet und dem Hund scheint es Spass zu machen.

    Karin Dieckmann 15. August 2014 5:29
  • Ich kann mich der Meinung von Johanna Pelz nur anschließen und stimme allen 3 Kritikpunkten zu. Des Weiteren würde ich gerne noch anmerken, dass der/die Autor*in lediglich gegen diese Trainingsmethode wettert, jedoch keine Alternativen anreißt oder gar ausführt. Der Artikel ist also stark einseitig und wenig hilfreich.
    Natürlich sollte man einen Hund nicht durch den Futterbeutel von dem eigentlichen Problem ablenken. Egal welche Ablenkungsmethode man wählt, dass behandelt nicht das Problem, das ist ja richtig bemerkt worden. Es kann jedoch eine Methode sein um die Situation vorübergehend (!) zu händeln, sodass der Hund nicht in das unerwünschte Verhalten zurückfällt.

    Carolin Altmann 28. April 2015 9:29
  • Frau Altmann, Verhalten ist erlernt, im Gegensatz zur Prägung, somit kann man auch jedes Verhalten auflösen und ein neues setzen. Wenn ich schon lese, „Ablenkungsmethoden“, um eine Situation „vorübergehend zu händeln“, ist schierer Unfug, somit bleibt ein Problem bestehen, da nur die Symptome behandelt werden, die Ursache und der Grund eines Problems allerdings erhalten bleibt. Das unerwünschte Verhalten ist doch damit nicht aus der Welt geschafft.

    Frau Pelz, es gibt viele Menschen, die ihren Hund für Dumm halten, weil Mensch immer meint, das klügste Lebenwesen auf dem Planeten Erde zu sein, was ziemlich anmaßend ist. Somit komme ich zu Ihren Beitrag, den ich so nicht teilen kann.
    zu 1: Es geht doch darum, das der Futterbeutel aus Sicht des Hundes eine Beute darstellt, nicht mehr, nicht weniger. Wenn dieser Beutel vom Menschen weg ins Grüne geworfen wird, hetzt der Hund hinterher, entweder sofort oder nach Kommando. Sobald der Hund dann diesen Beutel gefunden hat, ist er durch diese „Beute“ bestätigt! Denn das war ja sein Ziel. Nun möchte man als Mensch, das er diesen Beutel zu einem bringt, Hetzen und Beute hat er ja gerade gelernt ;-) Das macht er natürlich nicht oder nicht sofort. Also lernt der Hund im zweiten Schritt, „Beute“ Apportieren, wird dann, wenn er die „Beute“ (Futterbeutel) abgegeben hat, aus diesem mit „Beute“ (Futter im Beutel) bestätigt. Somit hat er 2 Dinge gelernt. „Hetzen und Beute“ für sich und „Apportieren“. Das er beides hintereinander macht, ist ein erlerntes Verhalten. Beim Obedience wird ein Hund auch schrittweise an den Parcour heran geführt, also auch eine Verknüpfung an die andere gesetzt, doch jedes für sich niemals in einem Gang !

    zu 2: wie in 1 geschrieben, bestätigt sich der Hund über die „Beute“ Futterbeutel, der irgendwo im Grünen liegt, also eigenständig, denn der Mensch steht, je nach Wurfstärke, xx Meter weiter entfernt, also nicht beim Hund. Er verbindet in diesem Moment nichts mit dem Menschen. Wenn er den Futterbeutel „die Beute“ dann apportiert und diese dem Hundehalter übergibt, wird er „dafür“ bestätigt, denn das „Hetzen und Beute“ hat er sich ja schon belohnt. Eine Rückorientierung gibt es nicht, ein Hund lebt im Jetzt, für ihn ist mit dem fangen der „Beute“ das Ziel erreicht, der Vorgang abgeschlossen. Diese Vorgänge sind triebgesteuert, also Triebe, die er nicht lenken kann wie ein Verhalten. Hetz-, Jagd- und Beutetrieb sind Erbkoordiniert und ein Hund „Muß“ denen nachgehen, das sind (Über-)Lebens Mechanismen die er nicht abstellen kann! Im Gegensatz zum Verhalten, welches erlernt ist/wurde, da kann er entscheiden. Z.B Kampf oder Flucht.

    zu 3: sehr schön, Sie setzen einen Hund wissentlich Stress aus, denn nichts anderes hat ein Hund, wenn er seinem Hetz-, Jagd- und Beutetrieb nach geht. Jemanden zu verurteilen und nahe zu legen, man solle sich differenzierter mit einer Thematik auseinander setzen ist ein glattes Armutszeugnis, denn Ihre Ausführungen tun dies. Sie fördern unweigerlich mit einem Futterbeutel „Triebe“, den der Hund nicht abstellen kann, weil von der Natur gegeben, und setzen jeden Hundehalter wissend dieser „Gefahr“ aus, weil ein Hund nicht unterscheidet zwischen Futterbeutel, Kaninchen, Hasen, Katze etc. Dann apportiert er eben danach alles, was dann als „Beute“ herhalten muß ;-) Sie verlieren diesen genannten Kontext (Zusammenhang) zumal der Futterbeutel nicht verteufelt wird, sondern man auf die damit verbundenen Zusammenhänge, hier die Triebe, hingewiesen wird.
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    Man kann vieles nett umschreiben, doch was viele Hundetrainer vergessen, ob wissentlich oder weil ihnen das Wissen fehlt, ein Hund ist und bleibt ein Raubtier; die Raubtiere (Carnivora) sind eine Ordnung der Säugetiere (Mammalia), welche die Hundeartigen (Canoidea) und die Katzenartigen (Feloidea) einschließt. Diesen beiden Arten wird alles im Bezug dessen, was ein Raubtier mit sich bringt, „abgesprochen“. Doch auch sie hetzen, jagen und töten (Beute). Ihre Argumentierung empfinde ich höchst leichtsinnig, gerade wenn es darum geht, wenn Hunde z.B in Familien Einzug halten.

    Nils Melms 21. August 2017 12:34

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