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Primäre Verstärker bei Hunden

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Primäre Verstärker sind sehr wichtig in unserem Training mit den Hunden.

Oft machen wir uns zu wenig Gedanken darüber. Aber was bedeutet das Wort überhaupt?

Primär bedeutet erste/r. Das heißt, diese Verstärker stehen an erster Stelle einer Reihe von verschiedenen Verstärkern.

Ein Verstärker ist alles, was Verhalten häufiger, intensiver, länger, schneller oder gleichbleibend auftreten lässt.

Klingt soweit doch eigentlich ganz logisch oder? Man kann also sagen, primäre Verstärker sind Verhaltensweisen, die bei unserem Hund direkt ein Bedürfnis befriedigen.

Welche Bedürfnisse haben unsere Hunde? Dies ist ähnlich wie beim Menschen

  • Futter, Wasser (= Nahrungsaufnahme)
  • Sicherheit und Ruhe
  • Sozialkontakte (zu Menschen und Hunden)
  • Körperliche Bewegung
  • Seeking System (=die Suche nach Neuem)
  • Ausleben sexueller Neigungen.

Letzteres ist in unserer heutigen Gesellschaft schwer umsetzbar, daher streichen wir es von der Liste der primären Verstärker. Wir werden nun die Oberpunkte aufdröseln um herauszufinden, was Hunde am liebsten mögen. Da Hunde Individualisten sind, sollte für jeden Hund eine eigene Verstärkerliste mit primären Verstärkern angelegt werden.

Futter und Wasser (Nahrungsaufnahme)

  • Trockenfutter (kann noch nach Marken und beispielsweise Größe unterteilt werden)
  • Nassfutter (kann ebenfalls noch unterteilt werden, beispielsweise welches der Hund am liebsten mag)
  • kleine Leckerlies (wie Käse oder Wurst)
  • kleine, gekaufte Leckerlies (wie Chewies, Frolic, …)
  • große Leckerlies wie (Lungebrocken, Hühnerfüße, Hühnerhälse, …)
  • Futtertube mit verschiedenen Füllungen
  • Leberwursttube
  • stilles Wasser aus der Leitung
  • Wasser vermischt mit Mozarellasud, Leberwurst oder Katzenfutter

Beim Futter kann weiterhin unterschieden werden, wie das Futter dem Hund gegeben wird. Ob direkt ins Maul, ob es zum Hund hin oder vom Hund weg geworfen wird, ob es im Napf gegeben wird, ob der Hund es suchen oder fangen muss. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Sicherheit und Ruhe

  • Reize, vor denen der Hund Angst hat, verschwinden wieder bzw. gehen weg
  • Schlafen auf einer bequemen Unterlage
  • Der Mensch schirmt seinen eigenen Hund vor anderen Artgenossen ab
  • Nach Hause kommen und wieder in den eigenen vier Wänden sein
  • Vertrauen zum Menschen haben, dass dem Hund nichts passiert (ausgehend vom Menschen und der Umwelt)

Sozialkontakte (zu Menschen und Hunden)

Mensch:

  • Aufmerksamkeit
  • Lächeln
  • Streicheln und Knuddeln
  • Spielen mit dem Körper oder mit einem Spielzeug
  • Übungen mit dem Menschen machen
  • Spazierengehen mit dem Menschen
  • Dabei sein dürfen bei allen Aktivitäten
  • Verbales Lob bzw. freundliche Ansprache
  • Jegliche, freundliche Aktion vom Menschen gegenüber seinem Hund

Hunde:

  • Zu anderen Hunden hindürfen
  • Schnüffeln an anderen Hunden
  • Spielen, rennen und balgen mit anderen Hunden
  • Hundefreunde treffen
  • Mit Hundefreunden gemeinsam Gassi gehen
  • Stöbern gemeinsam mit Hundefreunden

Auch andere Tiere wie Katzen können Sozialpartner sein, ersetzen aber nicht die Sozialkontakte zu anderen Hunden.

Körperliche Bewegung

  • Spazieren gehen
  • Joggen mit Hund
  • Radfahren mit Hund
  • Zugsportarten
  • Dog Dance
  • Disc Dogging
  • Agility

Körperliche Bewegung soll Muskeln aufbauen und erhalten. Je nach Alter, Rasse und körperlichem Zustand des Hundes sollte der Spaziergang bzw. der Hundesport angepasst werden. Hundesport ist meist eine Mischung zwischen körperlicher Bewegung und geistiger Beschäftigung. Nicht jede Sportart eignet sich für jeden Hund.

Seeking System (Die Suche nach Neuem)

  • Schnüffeln
  • Neue Gassigebiete erkunden
  • Neue Spielsachen bekommen
  • Intelligenzspielzeuge
  • Arbeit über Shapen (= Freies Verhalten formen)
  • Neue Hunde treffen und neue Freundschaften schließen
  • Neue Erfahrungen machen

Wird das Seeking System nicht stimuliert, dann „verdummt“ der Hund. Hunde wollen gern neue Dinge erfahren und ausprobieren und sollten auch die Chance dazu haben.

Die primären Verstärker sollten großzügig ins Training eingebaut und benutzt werden. Je nach Hund fällt das ein oder andere weg, trotzdem bleibt immer noch genug übrig.

autor_anne_rosengruen

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