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Palliative Begleitung beim Hund

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Wir können nichts mehr tun, machen Sie ihm eine schöne Zeit…

Vor vielen Jahren als mein erster Hund an einem Hämangiosarkom erkrankt war, schickte man uns heim mit den Worten: „Wir können nichts mehr tun, machen Sie ihm eine schöne Zeit.

Huhh, einatmen, ausatmen und eine schöne Zeit machen. Nicht ganz einfach in Anbetracht der uns damals verbleibenden 2 Wochen… wir erhielten damals weder Schmerzmedikation für den Bedarfsfall noch genauere Infos, worauf wir achten sollten. Geschweige denn irgendeine Form sozialer Unterstützung seitens des Tierarztes. Wir gingen nach Hause mit einem hoffnungslos kranken Hund und hörten uns dann von vielen Seiten auch noch den, teilweise stillen, Vorwurf an, warum wir ihn nicht gleich eingeschläfert hatten um ihm Leid zu ersparen.

Einige Jahre später sieht die Situation ganz anders aus. Die Schulmedizin hat sich weiter entwickelt, es gibt Onkologen und Fachspezialisten in der Veterinärmedizin, viel hat sich getan. Auch Alternativmethoden werden angeboten. Nach wie vor kostet es einiges an Mühe die richtigen Stellen und Fachleute zu finden, aber es lohnt sich. Es lohnt sich den Weg zu gehen, Tiere solange es möglich ist, auf ihrem Weg zu begleiten, so wie man es eben auch beim Menschen tut. Glücklicherweise ist die Palette der palliativen Möglichkeiten mittlerweile reichhaltiger geworden, wie eine onkologische Tierärztin mir unlängst erst versicherte: heutzutage muss kein Tier mehr wegen Schmerzen eingeschläfert werden. Und solange Schmerzen beherrschbar sind, ist Leben lebenswert.

11 Jahre nach dem Tod meines Hundes, ist nun auch sein Nachfolger an einem Analbeutelkarzinom erkrankt. Die Aussichten waren bei Diagnosestellung vor eineinhalb Jahren mehr als düster. Man stellte uns ein halbes Jahr, höchstens ein Jahr in Aussicht. Ohne therapeutische Maßnahmen noch viel weniger. Die fast täglichen Entscheidungen: was tue ich wann und überhaupt? Lassen wir uns auf Chemotherapie, Bestrahlung usw. ein, diese Entscheidungen kosten viel Kraft. Und sie können nur individuell getroffen werden. Kein Krebs, kein Patient gleicht dem anderen. Es gibt kein Schema nach dem es funktioniert, es ist immer ein Versuch der scheitern kann. Mit der Ungewissheit zu leben ist mitunter das Schwierigste überhaupt. Den Krebs als Dauergast zu akzeptieren ebenso. Aber wenn wir unseren Hund ansehen, dem es nicht trotz sondern wegen der Therapien nach wie vor gut geht, ist es alle Mühe, alles Bangen und Hoffen und ja auch alles Geld wert. Seine Therapie ist wie ein Konstrukt aus fein gewobenen angepassten Einzelteilen, die zusammen ein Netz ergeben. Angefangen von Chemotherapie bis hin zu Kräutern aus der Traditionellen chinesischen Medizin erhält er jede nur mögliche Unterstützung. Ich würde mir wünschen, dass viel mehr Hunde und Tiere die Möglichkeit bekommen könnten, ihr Leben bis zu seinem tatsächlichen Ende voll ausschöpfen zu können. Wieviele schöne Tage hätten wir nicht mehr mit unserem Hund erlebt hätten wir uns bei der Diagnosestellung mit diesem Schicksal abgefunden.

autor_andrea_wiesner

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