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Jagdverhalten im Fokus

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Warum jagen unsere Hunde überhaupt? Sie bekommen doch alles von uns was sie brauchen, oder?

Hunde sind Carnivore, Fleischfresser, Beutegreifer und Jäger. Das Jagdverhalten ist bei jedem Hund vorhanden. Der einzige Unterschied ist, dass das Verhalten bei jedem Hund unterschiedlich stark ausgeprägt ist (z. B. durch verschiedene Zuchtziele).

Das Jadgverhalten unserer Vierbeiner besteht jedoch nicht nur aus Spuren- oder Wildverfolgen, sondern ist sehr vielschichtiger. Das komplette Jagdreportoire setzt sich aus folgenden Puzzleteilen zusammen:

  • Orientieren
  • Fixieren
  • Beschleichen
  • Hetzen
  • Festhalten
  • Töten

Jede einzelne Jagdsequenz ist angeboren, für den Hund ein enorm selbstbelohnendes Verhalten und weder abschaltbar noch unterdrückbar. Aus diesem Grund ist es sinnvoll das Jagdverhalten unserer Hunde für uns zu nutzen und in das Training mit einzubeziehen anstatt gegen es anzukämpfen.

Die Funktion unserer Hunde hat sich in den letzten hundert Jahren sehr stark geändert. Früher waren sie Jagdbegleiter und Helfer des Menschen, heute sind sie meistens Familienmitglieder. Doch ihre genetische Ausstattung hat sich so schnell nicht verändert, sie sind immer noch Beutegreifer und können je nach Rasse und Charakter die oben genannten Jagdelemente mehr oder weniger stark ausgeprägt zeigen.

Die folgende Auflistung soll Ihnen verdeutlichen wofür die verschiedenen Jagdhunderassen gezüchtet wurden:

Erdhunde – treiben die Tiere aus der Erde heraus:

  • Dackel
  • Deutscher Jagdterrier – Jack Russel Terrier

Jagende Hunde – verfolgen die Beute lautgebend:

  • Bracken – Beagle

Stöber- und Apportierhunde – scheuchen Beute hoch und bringen diese dem Jäger:

  • Cocker und Springer Spaniel
  • Labrador, Golden und Flat Coated Retriever

Schweißhunde – verfolgen den Geruch des Blutes eines angeschossenen Tieres:

  • Bloodhound
  • Hannoverscher Schweißhund
  • Bayerischer Gebirgsschweißhund

Vorstehhunde – weisen mit ihrem Körper die Richtung, in der das Tier zu finden ist:

  • Pointer
  • Magyar Viszla
  • Weimaraner
  • Münsterländer (Auflistung der Jagdhunderassen, Buch Antijagdtraining von Pia Gröning, Seite 17)

Welche Gründe gibt es, dass Hunde jagen?

Wenn man an Jagdverhalten bei Hunden denkt, kommen einem zuerst einmal die typische Jagdhunderassen in den Sinn (siehe Auflistung weiter oben). Sie wurden für die Jagd gezüchtet und die speziellen Eigenschaften gefördert.

Hunde, die ebenfalls gerne Jagdverhalten zeigen, sind Hütehunde. Es ist ein Irrglaube, dass Hütehunde nicht jagen, sie wurden durch Selektion darauf gezüchtet, dass sie schon auf kleinste Reize reagieren.

Vor allem Hunde aus dem Tierschutz, die bereits auf der Straße gelebt haben und sich selbst ernähren mussten, habe den Drang jagen zu gehen. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass nicht jagen gehen Hunger bedeuten kann.

Für manche Hunde dient das Jagen dem Stressabbau, anderen Hunden ist der Spaziergang einfach zu langweilig und sie suchen sich eine Ersatzbeschäftigung.

Wodurch wird Jagdverhalten ausgelöst?

  • Bewegung: alles was sich schnell davon bewegt
  • Geräusche: Laute von Beutetieren (quietschen), rascheln im Gebüsch – Gerüche: Witterung, Spuren
  • Stimmungsübertragung: ein Hund geht jagen, der zweite macht mit
  • Erfolgserlebnisse
  • Nachahmung: junger Hund schaut sich Jagen von älteren ab

Jagdverhalten wird teilweise von uns Menschen verstärkt und geformt:

  • Stresslevel des Hundes
  • dauernde Beutespiele
  • ungünstige Verknüpfungen – Zucht

Egal aus was für einem Grund Ihr Hund jagdlich ambitioniert ist, ist es wichtig, dass Sie Ihren Hund so annehmen wie er ist. Er geht nicht jagen, weil er Sie ärgern möchte, sondern weil es ein Teil seines Wesens ist und die äußeren Umstände sein Verhalten auslösen.

autor_sabrina_reichel

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