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Der Rückruf

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„Mein Hund soll einfach NUR zurückkommen, wenn ich ihn rufe!“ Ist das auch Ihr Wunsch?

Für uns Menschen ist die Sache ganz einfach, unser Hund soll sich vom Auslöser abwenden und zu uns kommen. Doch was bedeutet es eigentlich für unseren Hund, wenn wir ihn rufen? Was muss er alles leisten, bis er wirklich bei uns da ist?

Zerlegen wir doch einmal das komplette Hundeverhalten während des erfolgreichen Rückrufs in seine Einzelteile:

  • Der Hund muss seine Aufmerksamkeit vom Auslöser wegorientieren.
  • Der Hund muss seinen Körper vom Auslöser wegorientieren.
  • Der Hund muss nicht nur den Auslöser, sondern auch weitere Ablenkungen (Gerüche, Hase, andere Hunde oder Menschen) ignorieren.
  • Der Hund muss auf den Menschen zu laufen.
  • Der Hund muss weitere Ablenkungen ignorieren.
  • Der Hund muss teilweise die Nonse-Kommunikation (bedrohliche Körpersprache des Menschen) ignorieren.
  • Der Hund muss beim Menschen ankommen.

Wow, eine beachtliche Leistung, oder?

Wenn wir uns nun die ganze Liste der Verhaltensweisen anschauen, die der Hund während des Rückrufs ausführen muss, reicht dann immer ein einziges Signal aus?

Wenn unser Hund nur 10 Meter entfernt steht und keine großen Ablenkungen da sind, wird ein einfaches „Hier“ genügen, doch wenn ein Hase vor unserem Hund aufspringt ist oft mehr Einsatz gefragt.

Zerlegen wir doch die Verhaltensteile des Rückrufs in mehrere Abschnitte:

  1. Umorientierungssignal (meist der Name des Hundes): Der Hund orientiert seine Aufmerksamkeit und seinen Körper vom Auslöser ab. Schon eine kleine Veränderung der Kopfrichtung, ändert die komplette Laufrichtung von einem Hund, damit haben wir schon fast gewonnen. Deswegen verdient das Training eines Umorientierungssignals ein Premiumtraining und sollte so oft wie es nur geht geübt werden.
  2. Ankersignal: Der Hund läuft auf uns zu und ignoriert weitere Ablenkungen. Das Ankersignal soll motivierend auf den Hund wirken und ihn bis zu seinem Menschen hingeleiten.

Die Signale für den Rückruf stehen fest, doch was können wir als Menschen noch tun, damit der Rückruf noch besser funktioniert?

Wir können unsere Körperhaltung ganz bewusst einsetzen. Machen Sie es Ihrem Hund möglich zu Ihnen zu kommen. Stellen Sie sich leicht seitlich und verlagern Sie den Körperschwerpunkt nach hinten.

Vermeiden Sie verbale Drohungen und eine bedrohliche Körperhaltung (nach vorne gebeugt). Diese Dinge signalisieren dem Hund eher, dass er von uns fern bleiben soll.

Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Aufbau eines sicheren Rückrufs ist die richtige Belohnung zu wählen. Seien Sie kreativ! Was möchte Ihr Hund gerade? Wollte er zu einem anderen Hund laufen? Wenn möglich schicken Sie ihn zur Belohnung des gelungenen Rückrufs wieder zu dem Hund hin. Möchte er buddeln gehen? Dann lassen Sie ihn wieder buddeln. Versuchen Sie die aktuelle Motivation des Hundes aufzugreifen und dem entsprechend zu belohnen.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, warum so vielfältig belohnen?

Je mehr Belohnungen mit dem Rückruf verknüpft sind, desto breiter ist die Erwartungshaltung des Hundes gefächert und die Chance, dass er zurückkommt ist größer.

Als Beispiel: Sie belohnen Ihren Hund nach dem Rückruf immer mit einem Stück Futter, weil er gerne frisst und ihm die Sachen schmecken. Springt nun ein Hase vor Ihrem Hund auf und er rennt hinterher, wird er dann für ein Stückchen trockenes Futter, das er nach dem Rückruf erwartet zurückkommen? Oder wäre hier ein geworfener Ball, der die momentane Motivationsgrundlage „Hetzen“ auffängt, die bessere Belohnung?

Nun gibt es aber immer wieder Gründe warum ein Hund nicht kommt, wenn wir ihn rufen:

  • Der Hund hat den Rückruf noch nicht gelernt.
  • Das Rückrufsignal wurde noch nicht in allen Situationen generalisiert.
  • Der Hund kommuniziert gerade mit einem anderen Hund und „kann“ noch nicht weg, da er sonst vielleicht eine Rauferei riskiert.
  • Der Hund wird nur gerufen, wenn er an die Leine muss.
  • Der Hund wird nur gerufen, wenn irgendwo ein Auslöser (anderer Hund, Jogger, etc.) auftaucht.
  • Der Mensch signalisiert dem Hund körpersprachlich und stimmlich, dass der Hund wegbleiben soll (vom Menschen oft unbewusst).
  • Der Hund hat den Rückruf nicht gehört.

Das sind nur einige Gründe, warum ein Hund nicht zurückkommen kann. Die Liste ist beliebig lang fortsetzbar.

Jetzt wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Üben des sicheren Rückrufs. Nehmen Sie sich genügend Zeit, betreiben Sie Management, indem Sie eine lange Schleppleine benutzen, bringen Sie langsam, aber stetig immer mehr Ablenkungen ins Spiel und versuchen Sie so oft wie nur möglich motivationsgerecht zu belohnen.

autor_sabrina_reichel

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Meinungen unserer Leser zum Artikel: Der Rückruf

  • Hallo,
    ich bin ein 19 Monate alter Labbi und komme eigentlich gerne zurück, wenn Frauchen ruft oder Herrchen pfeift.
    Allerdings sind andere Hunde so wichtig, dass ich weg bin, wenn ich einen anderen Hund sehe.
    Deshalb muss ich oft erst mal an die Leine, wenn uns ein anderer Hund entgegenkommt, bis Frauchen oder Herrchen sicherstellt, dass der andere auch nur spielen will.

    Übrigends finde ich diese Website einfach super, mein Frauchen liest hier rgelmässig, damit es mir gutgeht.

    Liebe Grüsse von Pluto und Fraucehn Karin

    Pluto 8. Juli 2013 13:39

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