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Der Hund von einem anderen Stern – Hunde aus dem Tierschutz

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Viele entscheiden sich heutzutage für einen Hund aus dem Tierschutz. Erwarte nichts und erfreue dich an allem.

Viele entscheiden sich heutzutage für einen Hund aus dem Tierschutz. Oft kommen die Tiere von weit her, aus südlichen Ländern werden sie eingeflogen und vermittelt. Dabei steht der Gedanke einem armen Tier helfen zu wollen im Vordergrund. Nicht immer weisen Tierschutzorganisationen darauf hin, womit man rechnen muss und kann wenn man einem Hund aus einer anderen kulturellen Welt ein Zuhause geben möchte. Viele finden sich dann später in überfordernden Situationen wieder, schlimmstenfalls kommt es zu einer Abgabe des Hundes. Doch woran liegt das? Was sind die Erwartungen zukünftiger Tierbesitzer und wie gerecht sind sie dem Hund gegenüber? 

Ingy kam zu uns aus Rumänien. Zwei Jahre alt – ein Hund mit Vergangenheit. Als sie ankam, war sie noch nie an einer Leine gegangen. Gerechnet hatten wir mit Monaten, aber mit Clickertraining und der Hilfe unserer 3 anderen Hunde, hat Leine gehen nach ein paar Tagen schon geklappt. Die ersten drei Monate ihres Lebens hat Ingy  auf der Straße verbracht und hatte somit die Möglichkeit Umwelterfahrungen zu machen. Positive als auch negative, aber Welpen die von Geburt an in einem Shelter aufwachsen haben oft ungleich mehr Probleme mit den späteren Anforderungen und Umweltreizen zu echt zu kommen.

Die ersten Wochen haben wir  Ingy über Türschwellen getragen, sie war vermutlich noch nie in einem Haus gewesen.  Wochenlang lag sie tagsüber nur auf ihrem Sofa und schlief- zufrieden und froh einen ruhigen trockenen und sicheren Platz für sich alleine zu haben. Unsere Hunde überließen ihr  wie selbstverständlich den begehrtesten Platz im Haus. Bei Regenwetter raus gehen? Völlig unbegreiflich warum man so etwas  tun sollte! Bellen der Nachbarshunde veranlasste sie dazu einzufrieren und keinen Meter mehr zu gehen. Streunende Hunde leben in Revieren und wer klug ist vermeidet es ein fremdes Territorium zu betreten. Wer auf der Straße überlebt ist entweder überaus freundlich und liebenswert und findet deshalb Schutz von Menschen oder sehr vorsichtig.  Ingy ist beides.

Vorsicht ist ein Garant zum Überleben und Scheu eine stark vererbte Anlage. Viele der aufgegriffenen Hunde die in einem privaten oder öffentlichen Heim landen sind ängstlich- und bleiben es auch nach Vermittlung in ein neues Zuhause. Training kann viel, aber eben nicht alles. Menschen die zum ersten Mal einen Hund in ihr Leben geholt haben können durchaus enttäuscht sein wenn  sich  dieser  statt zu einem Begleiter für ihren Alltag  zu  einer nicht zu unterschätzenden  Belastung entwickelt.

Wenn man sich für einen Hund aus dem Ausland entscheidet sollte man das aus vollem Herzen und mit dem Bewusstsein tun, dass man ein Wesen mit Vergangenheit in sein Leben holt, aus einem völlig anderen Umfeld in ein fremdes  neues Leben,  mit dem der Hund sich erst mal zurecht finden muss. Oft wissen die Tiere nichts mit Hundespielzeug anzufangen,  sie spielen mitunter auch monatelang gar nicht- weder mit Artgenossen noch mit Menschen- ein mögliches Zeichen von Stress, der in dieser Phase der Neuorientierung natürlich auch normal ist. Ihnen schmecken möglicherweise die Dinge nicht die wir ihnen anbieten weil sie diese eben oft noch nie in dieser Form genossen haben- eine Folge der Futterprägung die schon längst stattgefunden hat bevor wir den Hund übernehmen.

Zeit geben und Geduld haben, erwartungsfrei an die Sache heran gehen- das sind drei magische Schlüssel. Den Hund ankommen lassen – es dauert in etwa bis zu einem Jahr bis ein Tier wirklich angekommen ist und ihn sein lassen, Ruhe gönnen, nichts überstürzen. Der Hund ist mit allem ausgestattet was ihn ein widriges Leben meistern und überstehen ließ.  Das verdient unsere Achtung und unseren Respekt.

Und  Ingy? Ingy fürchtet sich vor Stöcken, egal wer einen in der Hand hält. Geschieht etwas außerhalb der täglichen Routine stresst sie das und sie verfällt in alte Verhaltensmuster. Sie ist dennoch der glücklichste und zufriedenste Hund unseres Rudels. Sie kann sich über Kleinigkeiten riesig freuen und ihre Freude erfüllt den Raum und uns. Sie genießt jeden Augenblick in vollen Zügen. Und wir würden es sofort wieder tun- einen Hund von einem anderen Stern ein Zuhause geben.

autor_andrea_wiesner

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