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Das Ignorieren des Hundes

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„Wenn Ihr Hund Sie anspringt, dann ignorieren Sie ihn ein bis drei Tage lang.“ :-(

Solche oder ähnliche Verhaltenstipps bekommt man als Hundehalter zur Genüge, inklusive der ernüchternden Tatsache, dass sich das Problem „Anspringen“ deswegen nicht erledigt hat. Wenn wir uns bewusst darüber sind, dass unser Raubtier Hund im Hier und Jetzt, also in der Gegenwart, lebt und wenn wir uns daran erinnern, dass wir den Hund innerhalb von wenigen Sekunden für richtiges Verhalten loben müssen, weil er sonst das Lob nicht mit der vorher gezeigten Aktion verknüpfen kann, dann fragen wir uns allen Ernstes, wie man auf den Unsinn des Ignorierens kommen kann?

Zurück zum oben beschriebenen Beispiel: Der Hund springt also Menschen beim Betreten der Wohnung an. Zugegeben ist das lästig und nervig, vor allem wenn Sie die Hände voller Einkaufstaschen haben. Sie kämpfen sich also nun mit Ihrer Tragelast am wild hochspringenden Hund vorbei bzw. drehen sich von ihm weg und „ignorieren“ ihn für den Rest des Tages.

Was geschieht hier aus Sicht des Hundes?

Durch Ihr „Nichts tun“ signalisieren Sie dem Hund: „Es ist okay und erlaubt, was Du tust“ und nebenbei erwähnt, wird dem Hund hierbei wieder keine Alternative gegeben was bedeutet, er muss den „Fehler“ immer wieder machen und Sie dürfen sich jeden Tag aufs Neue darüber ärgern. Der Hund hat nach spätestens 10 Sekunden vergessen, warum er ignoriert wird und versteht die Welt nicht mehr. Noch viel weniger kann er Sie als Rudelführer verstehen und ernst nehmen, denn ein Anführer ist alles andere als ignorant.

Die Basis Ihres Miteinanders leidet unter dem Ignorieren und man muss sich nicht wundern, wenn der Hund sein problematisches Handeln weiter ausbaut, verstärkt oder durch Ihre Passivität auch auf andere Bereiche überträgt. Stellen Sie sich die Konsequenzen vor, wenn ein Hund einen Menschen beißt und man das Problem ignorieren würde.

Haben wir dadurch irgendetwas gewonnen?

Nein! Ein weiteres Beispiel für völlig unfähige Hundeexperten sind Aussagen von Diplom-Verhaltensbiologen, die in Ihrer Fehleinschätzung und Ihrem dilettantischem Halbwissen nicht mehr zu überbieten sind. Da hat man doch tatsächlich problemgeplagten Hundehaltern auf einem Seminar folgendes empfohlen: „Wenn Ihr Hund Menschen beißt, nehmen Sie ein rotes Kopfhalfter, er beißt zwar noch, aber andere fassen ihn dann nicht mehr an, weil Rot signalisiert STOP – nicht anfassen.“

Eine andere Aussage lautete: „Jagen ist völlig aggressionsfrei, macht den Hund glücklich und dient keinem Selbstzweck!“ Die absolut schlimmste Aussage aber war folgende: „Wenn der Hund die Couch knurrend verteidigt, sagen Sie Schade und sperren ihn für 20 min ins Badezimmer. Wenn er dann im Bad randaliert, lassen Sie ihn 40 min drin, da er somit lernt: Knurren führt zu sozialem Ausschluss!“ Wenn „Experten“ dieses Kalibers auf Hund und Halter losgelassen werden dürfen, fragen wir uns wirklich, ob man solche Leute zum Schutz der Hunde nicht besser einsperren sollte, natürlich ins Badezimmer (für mindestens 4 Jahre)!

 autor_weinrich

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Meinungen unserer Leser zum Artikel: Das Ignorieren des Hundes

  • Guten Tag
    Ich habe eine Frage. Ist es empfehlenswert einen geschätzt 7 Jahre alten Straßenhund aus
    einem Rumänischen „Tierheim“ als Anfängerhund in eine Familie ohne sontige Tiere zu
    integrieren.
    Mit freundlichen Grüßen

    Klaus Zorn

    Klaus Zorn 7. Januar 2016 12:38
  • Wir haben eine etwa zwei/dreijährige rumänische Hündin aufgenommen vor knapp 6 Monaten.Sie frißt gerne mal in der Gegend rumliegende weggeschmissene Brote und haut gleich damit ab,wenn sie es hergeben soll.Der Gehorsam ist inzwischen mit Leckerli ganz gut.Anfangs versteckte sie sich noch unter der Eckbank,bei Böllern hat sie Angst.Meine alte kleine Hündin darf ihr kein futter stibitzen,dann maßregelt sie.Mit dem Großen rennt sie gerne mit,und hin und wieder hänge ich beide zusammen und lass beide zusammen laufen,dann lernt sie auch das „Hierkommen“ ganz gut. Anfangs mußzte ich sehr darauf achten,daß keine anderen Hunde sie jagten,denn ich muß diesen Hund beschützen,damit er mir vertraut.Also da gab es schon zu tun. Heute ist sie mutig und spielt mit jedem Hund.Man muß wirklich Geduld haben und am besten anfangs ein gut eingezäuntes Gelände,in dem geübt werden kann.Schleppleine,Geschirr ist gut und Mut,einen Hund zu retten und ihm zu helfen,ein Familienhund zu werden. Ich würde Sie aufmuntern dazu und einfach Hilfe dazuholen,wenn nicht gleich alles klappt.Es kann ja auch ein ganz wunderbares Verhältnis entstehen,daß Sie niemals bereuen.Nur Mut ! Ich bin froh,die Kleine Sali bei uns zu haben.Sie ist ein kleiner Aussi mit gekapptem Schwanz.Wir haben schon andere Rumänischen Hunde getroffen,die sich bestens integriert haben.Liebe Grüße,Monika

    monika harder 14. Januar 2017 20:06

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