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Der siebte Sinn der Hunde – Bertiegeschichte

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Reine Beobachtungsgabe! – Sinnesleistungen Teil 4

Hallo Allerseits!

Als Ihr heute diese Seite aufgerufen habt, hattet Ihr da eine Ahnung, dass Ihr mal wieder eine Geschichte vom kleinen Bertie zu lesen bekommt? Nun, ich denke schon, oder? Hat das denn wohl mit einer Art übernatürlichen Fähigkeit zu tun? Nein, wohl eher nicht. Ihr wisst halt einfach, dass meine Geschichten auf dieser Seite hinterlegt sind.

Also ist die Chance, dass Ihr mit eurer Vermutung Recht habt, relativ groß. Es sei denn, die Seite wird gerade mal wieder repariert oder euer Rechner hat mal wieder den Geist aufgegeben.

Wir Hunde machen das eigentlich nicht anders, wenn wir mal wieder Dinge „voraussehen“, die dann auch genau so eintreten. Nur, dass uns dabei noch sehr viel mehr Informationen zur Verfügung stehen als euch. Wenn ich z.B. schon an der Türe stehe und auf Meinen warte, obwohl der – langsam wie er nun mal ist – noch gar nicht an unserem Haus angekommen ist, dann hat das folgende Gründe:

bertieErstens habe ich eine sehr gut funktionierende innere Uhr, mit deren Hilfe ich mir verschiedene Tagesabläufe auf die Minute genau merken kann. Ich weiß zwar nicht, dass der heutige Tag Dienstag heißt und dass gestern Montag war, aber ich weiß ganz genau, dass, wenn Meiner morgens seine Sporttasche mitnimmt, einer der Tage ist, an denen er erst nach Hause kommt, wenn mein Hunger schon recht groß ist. Auch weiß ich, dass an diesen Tagen die Jenny vorbei kommt, wenn die Sonne am höchsten steht und mit mir eine runde durch den Wald rennt. Und dass sie das tut, bestärkt mich wiederum in der Annahme, dass Meiner später kommt. Wann das ist, weiß ich ganz genau. Und zu dieser Zeit schärfen sich meine Sinne. Ich lausche dann sehr gespannt, damit ich dieses eine Geräusch bloß nicht verpasse. Denn wenn ich dieses Geräusch höre, dann dauert es zwar noch eine ganze Weile, aber ich weiß ganz genau, gleich wird er kommen. Somit warte ich auf das nächste Geräusch, dass sein Auto macht, wenn er vor unserer Straße abbremst. Danach kommt dieses Knirschen wenn er in unsere Straße einbiegt, dann wieder dieses einzigartige Bremsgeräusch, was meistens von einem Klick-Klack-Klick-Klack begleitet wird, aber nicht immer. Gefolgt von einem erneuten, aber auch ganz anderen Knirschen. Dann hört das Klick-Klack auf und ich höre wieder nur ein „Brumm“ und „Quietsch“. Beides hört meistens zusammen auf. Darauf folgt dann ein „rrrt“, ein „klack-schlitte-klock“ und ein „kalatok“. Das ist der Moment, wo Meiner aussteigt. Nach einem kräftigen „wumma-plopp“ läuft er – fast ausschließlich an diesen „Spättagen“ – erst noch einmal weg. Es macht „rrrt-krck-plup“, dann nimmte er seine Tasche und es macht „wumma-plapp“ und endlich kommt er der Sache immer näher. Nun kann ich schon an den Geruchsmolekülen die durch den Ritz unter der Türe hineinwehen verifizieren, dass es sich wirklich um Meinen handelt. Und noch bevor er den Schlüssel ins Schloss steckt, habe ich schon eine ziemlich genaue Ahnung, wie er drauf ist und kann, falls nötig, entsprechende, beschwichtigende Maßnahmen einleiten. Eine endgültige Beurteilung seines Gemütszustandes treffe ich dann in dem Moment, wenn er durch die Türe tritt. Dabei achte ich vor allem auf alte und frische Adrenalin- und Noradrenalindüfte, sowie unzählige andere Stoffe, die mehr oder weniger stark an ihm haften. Zusätzlich liefern mir seine Mimik und die Art seiner Bewegungen weitere wichtige Informationen, die mir im Zusammenspiel mit meiner schier grenzenlosen Erfahrung, sofort ein genaues Abbild seines Tagesablaufes und seiner momentanen Verfassung liefern.

Dabei fällt mir auch sofort auf, wenn Meiner mal wieder zu wenig getrunken hat und gehe ganz selbstverständlich schon einmal vor in die Küche, weil ich genau weiß, dass er jetzt zum Kühlschrank geht und sich eine Flasche Wasser herausnimmt, mit der er sich an den Tisch setzt, herzhaft seinen Durst stillt und mich danach auf den Schoß nimmt, um mir in absolut unverständlichen Worten all das zu erzählen, was ich sowieso schon weiß. Aber ich tue natürlich jedesmal so, als würde ich jedes Wort verstehen, weil ich weiß, dass es ihm hilft und weil ich gelernt habe, dass es im Anschluss recht schnell auf einen entspannten Spaziergang geht.

Uns Hunden werden von den verschiedensten Leuten immer wieder unglaubliche, übernatürliche Fähigkeiten nachgesagt. Ich kann dazu nur sagen, dass ich solche Fähigkeiten bestimmt nicht habe und mir ist auch noch nicht ein einziger Hund begegnet, der so etwas besitzt. Wir setzen einfach nur all unsere Sinne ein und beobachten sehr viel genauer, als Ihr es euch vorstellen könnt. Darüber haben eure Wissenschaftler auch schon einiges herausgefunden, aber noch lange nicht alles. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach, sind sie zwar auf einem guten Weg, aber es fehlt noch eine ganze Menge. In meinem kurzen Hundeleben werden sie das Rätsel wohl auch nicht mehr lösen, aber vielleicht in eurem. Das dauert ja bekanntlich etwas länger.

Ach so, eigentlich wollte ich euch heute ja etwas über den fünften und den sechsten Sinn erzählen und nicht über den Siebten, den es wie Ihr hoffentlich erkannt habt, ja gar nicht gibt. Aber der Redakteur winkt schon mit der weißen Fahne – er kann wohl nicht mehr.

Na, dann freut euch schon mal auf euren nächsten Besuch. Ihr wisst ja: Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, kommt der kleine Terrier wieder mit einer neuen Geschichte um die Ecke.

Euer Bertie

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© Hundeschule WIR2 |  Autor: Ralf Lindner | Vervielfältigung nur zum privaten Gebrauch | Veröffentlichung in jeglicher Form nur nach schriftlicher Genehmigung | Mehr zu „Bertie“ findet Ihr auf www.bertie-der-terrier.de und www.hundeschule-wir2.de


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