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Der Geruchssinn – Bertiegeschichte

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Warum Menschen die Ostereier mit den Augen suchen – Sinnesleistungen Teil 1

Hallo Ihr lieben Begegnungsassistenten,

Viele von euch Menschen feiern ein so genanntes „Fest der Besinnung“. Ihr nennt es Ostern. Schade nur, dass eure Sinne so kümmerlich daher kommen. Daran sollen wir Hunde übrigens größtenteils Schuld sein, wenn man euren Wissenschaftlern glauben darf. Die sagen, dass eure Sinne deshalb so schlecht sind, weil wir Hunde seit zehntausenden von Jahren die damit verbundenen Arbeiten für euch übernehmen. Dadurch hätte euer Gehirn im Grunde erst die Möglichkeit gehabt, sich auf das (Nach-) Denken zu spezialisieren.

bertieDas eure Vorfahren uns diese, zur damaligen Zeit so lebenswichtigen Aufgaben, wie das Aufspüren von Essbarem, das Jagen und das Wachen überließen, war auch schon damals eine sehr, sehr kluge Entscheidung, das muss man euch lassen.

Schon wenn ich darüber nachdenke, wie Meiner heutzutage Ostereier sucht, könnte ich mir die Haare aus dem Fell kratzen. Der benutzt dazu seine Augen! Unfassbar! Wozu hat er denn eine Nase?

Wenn wir beide in den Garten gehen, dann weiß ich nach den ersten drei Schritten schon haargenau, wo die ersten zehn Eier liegen. Meiner kratzt sich am Kopf, dreht sich zweimal im Kreis und entdeckt dabei noch nicht einmal das Ei, das direkt vor ihm in der Wiese liegt. Dabei bildet Meiner übrigens keine Ausnahme – das ist bei euch Menschen die Regel!

Da habe ich mich natürlich gefragt, warum das wohl so ist. Lange habe ich darauf keine Antwort gefunden, aber letzte Woche, da hab ich den alten Ben getroffen und der hat mir die Lösung verraten. Seitdem muss ich immer ein bisschen schmunzeln, wenn ich einen von euch zweibeinigen, nasenblinden und gehörlosen Kümmerlingen sehe. Tut mir leid, aber als Hund kann man das einfach nicht anders formulieren.

Ihr Menschen seid euch einfach nicht im Klaren darüber, was Ihr in dieser schönen Welt alles verpasst. Ihr habt aber auch eine so was von magere Serienausstattung, dass man sich als Hund fragt, wie Ihr damit schon so lange überleben konntet. Ohne uns Hunde wärt ihr wahrscheinlich schon vor hunderttausend Jahren jämmerlich verhungert und verdurstet.

Ein durchschnittlicher Mensch hat so zwischen fünf und zehn Millionen Riechzellen in seiner Nase. Das ist zwar eine sehr ungefähre Angabe, aber auf ein oder zwei Millionen kommt es nun wirklich nicht an, wenn man bedenkt dass wir Hunde etwa zweihundert Millionen von diesen Dingern besitzen. Darüber hinaus ist jede einzelne unserer Riechzellen, schon von Natur aus, etwa zwanzigmal besser ausgestattet als eure. Zudem wird unsere Nase aber sowas von besser mit Schleim versorgt, dass es ein Wunder ist, dass Ihr überhaupt etwas riechen könnt. Nicht nur, dass wir in der Lage sind das zigfache an Schleim zu produzieren – unser Schleim ist auch noch sehr viel hochwertiger als eurer. Er enthält nicht nur eine sehr viel größerer Anzahl von Enzymen, die wir benötigen um noch besser riechen zu können, sondern er verfügt auch über ein riesiges Potential an Antikörpern. Das muss auch so sein, weil unsere Hundenase quasi über eine direkte Verbindung ins Gehirn verfügt. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass diese Autobahn in eurem Kopf schon vor zigtausenden von Jahren gesperrt wurde und euer Geruchsempfinden seitdem immer die Umleitung nehmen muss.

Kurzum: An euch Menschen gehen mindestens 95% aller Gerüche spurlos vorüber und eure Geruchsreaktion ist, im Vergleich zu der unsrigen, so lahm wie eine alte Ente bei einem Wettrennen mit einem Porsche. Wenn Ihr auch nur erahnen könntet, was Ihr alles verpasst!

Seitdem der alte Ben mir das erklärt hat, dämmert mir auch, warum Meiner die Eier mit den Augen sucht. Obwohl die sich gar nicht bewegen und deshalb doch so verflixt schwer zu sehen sind. Sehr eigenartig. Wie macht Ihr Menschen das nur? Da muss ich unbedingt noch mal den alten Ben fragen. Vielleicht weiß der ja, wie Ihr das anstellt. Oder könnt Ihr mir da eventuell weiter helfen? Wenn ja, dann schreibt mir doch einfach. Es interessiert mich wirklich sehr.

Euer Bertie

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© Hundeschule WIR2 |  Autor: Ralf Lindner | Vervielfältigung nur zum privaten Gebrauch | Veröffentlichung in jeglicher Form nur nach schriftlicher Genehmigung | Mehr zu „Bertie“ findet Ihr auf www.bertie-der-terrier.de und www.hundeschule-wir2.de

Als „Meiner“ oder „Meine“ bezeichnen Paare Ihr nicht (mehr) ganz so heiß geliebtes Gegenstück. Beim Bäcker heißt es dann z.B.: „Geben se mich ma noch zwei von die Puddingteilchen mit die Erdbeern drauf – die isst Meiner (anstelle von „mein Mann“) doch so gerne!“ „Meiner“ ist also Bertie sein Herrchen, sein Napfschlepper, sein Mensch!

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