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Füttern verboten! – Bertiegeschichte

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Hallo liebe Leute,

letzte Woche hatte ich einen kleinen Aussetzer, aber da möchte ich  jetzt auch nicht weiter drauf eingehen …

Eingehen möchte ich aber schon auf die eine oder andere Nachfrage, u.a. von Cindy, Gandolf und Xena, was das Leckerchen betrifft, welches der Männeken1 von Meinem bekommen hat. Für alle die, die meine letzten Ausführungen (05_Strafe) verpasst haben sollten, sei kurz zusammen gefasst, dass es um einen mir und Meinem2 bekannten Hund namens Männeken ging, der seinem Herrchen mal wieder abgehauen war. Dieser Hund kam zu uns auf den Hügel hinauf, begrüßte mich kurz und strebte dann auf Meinen zu, um ein Leckerchen zu erbetteln, was er auch prompt bekam.

Natürlich stellt sich hier die Frage, ob Meiner in dieser Situation richtig gehandelt hat.

bertieNun, zunächst einmal, hat Meiner nicht die Aufgabe Männeken zu erziehen. Dazu kommt, dass er Männeken ja kennt und weiß, dass dieser öfter mal die Chance nutzt, seinem Verfolger zu entkommen. Oft genug war es auch schon so, dass Männeken nun so gar nicht die Nähe von seinem Verfolger gesucht hat und somit von Meinem oder anderen Menschen mittels Leckerchen eingesammelt werden musste. Somit könnte es also durchaus sein, dass Meiner den Männeken mit voller Absicht bestochen hat, um ihn gegebenenfalls einsammeln zu können. Dabei sei zu Seiner Ehrenrettung noch erwähnt, dass er Männeken erst hat „Sitz“ machen lassen, bevor dieser die Belohnung ausgehändigt bekam.

Fakt ist aber letztendlich, dass Männeken seinem Verfolger entfleucht, weil er nicht erzogen ist und aus diesem Grunde auch nicht darauf hört, was dieser ihm sagt. Das Problem zwischen Männeken und seinem Verfolger lässt sich also bestimmt nicht  allein dadurch lösen, dass Männeken keine Leckerchen mehr von Fremden bekommt.

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube unter euch Menschen, dass wir Hunde immer nur darauf erpicht sind, die eine oder andere Aufmerksamkeit von irgendwelchen mehr oder weniger wildfremden Menschen zu erhalten. Wer das glaubt, der ist aber gewaltig auf dem Holzweg! Es mag zwar eine Menge Hunde geben, auf die das zutrifft, aber die sind nicht wirklich gerne so, das könnt Ihr mir glauben. Denn immer wenn das der Fall ist, dann stimmt etwas in der Mensch-Hund-Beziehung nicht. Ist diese nämlich harmonisch und intakt, dann ist unser Mensch für uns immer und überall das Größte und das Tollste, was wir kennen. Dorthin kommen wir alle gerne und freudig wieder zurück, wenn wir gerufen werden, auch wenn jemand anderes gerade mit der Fleischwurst winkt.

Wenn ein Mensch möchte, dass sein Hund nichts von anderen Menschen nimmt, so muss er zunächst einmal dafür sorgen, dass dieser ihm bedingungslos vertraut. Dann und nur dann, kann er auch dem Hund vertrauen! Solch ein Vertrauen kann man sich nicht kaufen, dass will hart erarbeitet sein. Zusätzlich müssen die beiden üben, üben, üben! Da wäre zum Beispiel der Besuch einer guten Hundeschule ratsam, wobei die Betonung auf „gut“ liegt. Dort packt man hoffentlich das Problem an der Wurzel und sorgt dafür, dass das Üben Hund und Mensch Freude bereitet und ganz nebenbei ein braver Kerl und ein hundesachverständiger Mensch dabei heraus kommen.

Meiner hat mit mir viel geübt und er tut das auch heute noch immer wieder z.B. auf jedem Spaziergang. Das macht auch mir so großen Spaß, dass ich auch bei einer noch so großen Verlockung auf den Hinterläufen kehrt mache, wenn er mich ruft. Was allerdings nicht heißt, dass ich nicht auch mal gerne ein Abstaubertor3 schieße, wenn sich die Möglichkeit bietet und Meiner nichts dagegen hat. Ich bin schließlich auch nur ein Hund!

Euer Bertie

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© Hundeschule WIR2 |  Autor: Ralf Lindner | Vervielfältigung nur zum privaten Gebrauch | Veröffentlichung in jeglicher Form nur nach schriftlicher Genehmigung | Mehr zu „Bertie“ findet Ihr auf www.bertie-der-terrier.de und www.hundeschule-wir2.de


Ruhrpott für Anfänger:

1 „Männeken“ ist eine Verniedlichung von „Mann“. Es bezeichnet zum einen, einen kleinen Mann oder einen kleinen Jungen. „Männeken“ wird aber auch oft als ermahnende Drohung ausgesprochen: „Männeken! Lass dat sein, sonst kannze wat erleben!“

2 Als „Meiner“ oder „Meine“ bezeichnen Paare Ihr nicht (mehr) ganz so heiß geliebtes Gegenstück. Beim Bäcker heißt es dann z.B.: „Geben se mich ma noch zwei von die Puddingteilchen mit die Erdbeern drauf – die ist Meiner (anstelle von „mein Mann“) doch so gerne!“

3 Abstauben – Etwas unverdient und zufällig ergattern

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