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Das Stachelhalsband – Bertiegeschichte

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Schmerzen ohne Ende für nur 7,95!

Hallo Ihr Lieben!

Ach das Hundeleben ist schon aufregend. Und es kann sehr schmerzhaft sein. So, wie für den armen Adonis. Der Junge hat es echt nicht leicht mit IHR. Gut, der Adonis ist jetzt auch nicht gerade eine Ausgeburt an Rücksicht und Zurückhaltung. Genau genommen ist er ein elender Draufgänger, der sich nicht die Bohne darum schert, ob da noch „etwas“ an seiner Leine hängt. Er geht einfach seines Weges, ohne jede Rücksicht. Dass auch „SIE“ daran ihren Anteil hat, könnt Ihr euch wahrscheinlich denken. Aber das will ich jetzt mal nicht weiter ausführen.

Jedenfalls kam Adonis gestern in den Park gehumpelt. Erst haben wir gedacht, er hätte was an der Pfote, aber als er näher kam, hatte ich schon bald eine andere Vermutung. Und richtig! Der Arme hatte sich den Hals verrenkt und versuchte das, durch Humpeln wieder auszugleichen.

bertie„Wie hast Du das denn hingekriegt, du Rakete?“ fragte ich ihn. „Ach hör auf, ich wollte doch nur die schöne Lucie begrüßen. Du weißt schon, die Retrieverin von Gegenüber. Die lief auf der anderen Straßenseite und ich wollte natürlich mal eben zu Ihr rüber.“ „Ha! Du hast vergessen, dass „SIE“ so sehr an dir hängt!“ Das überraschte mich nicht sonderlich. Adonis hat sich noch nie darum gekümmert, ob „SIE“ auch über die Straße will. „Ja, das wär’ ja auch kein Problem, aber „das da“ hat mich umgehauen. Die Nägel haben sich in meinen Hals gebohrt, immer mehr und mehr, bis ich keine Luft mehr bekam. Und dann hab ich natürlich schnell den Kopf gedreht. Seitdem laufe ich so herum.“ Er deutete auf seinen Hals. Und dann sah ich es! Ein Stachelhalsband mit den Nägeln nach innen gerichtet! Unfassbar!

„Ach Du dicker Haufen! Was ist das denn?!“ Adonis war sicherlich kein einfacher Fall, aber das Folterinstrument hatte auch er nicht verdient! „Das ist eine Stachelhalsung, Du Komiker!“ ranzte Adonis mich an, obwohl ich doch nun wirklich nichts dafür konnte. „Was hast Du denn gedacht, `ne Kette von Dior?“

„Natürlich weiß ich, was das ist. Ich hatte nur nicht gedacht, dass „SIE“ so weit geht. Ich meine, dass „SIE“ auf so etwas kommt. Ich fass es einfach nicht!“ Adonis hatte mein volles Mitleid, obwohl er mich schon des Öfteren – einfach so zum Spaß – in die Wiese gematert hat.

Dann erzählte mir Adonis die ganze Geschichte. Wie sie beim Spaziergang den Mann getroffen hatten. Wie er, Adonis, „SIE“ mal wieder seines Weges gezogen hatte. Der Mann sich sehr aufregte, weil er Angst um seinen Hund hatte und wie „SIE“ mit Adonis in den Leckerchenladen gefahren war, um das Folterinstrument zu kaufen. „SIE“ wusste sich einfach nicht mehr anders zu helfen. Irgendwie tut auch „SIE“ mir auch leid.

Ausbaden muss es jetzt aber der Adonis. Und der hat mich dann auch gebeten, hier in meiner Kolumne vom Kauf solcher „Erziehungshilfen“ für uns Hunde abzuraten. Ich werde es aber anders machen. Ich werde diese Dinger für euch testen und versuchen sie euch näher zu erklären. Wie sie wirken, welche Gefahren bestehen, was man damit erreichen kann und was nicht. Meiner war zwar nicht besonders angetan von der Idee, aber er hat sich dann doch in den Dienst der guten Sache gestellt. Und so fangen wir nächsten Dienstag mit dem Stachelhalsband an.

Das Stachelhalsband – ein Testbericht

Oh, Mann,

hätte ich doch bloß den Mund nicht so voll genommen. Ich eigne mich nämlich mal gar nicht gut als Erziehungshilfentester. Das tut ja richtig weh! Wenn ich das gewusst hätte. Aber, da muss ich jetzt durch. Also, fangen wir – wie versprochen – mit dem Stachelhalsband an. Manche nennen es auch „Stachelhalsung“ oder, was am treffendsten ist, „Stachelwürger“. Solch ein Gerät besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Einer, aus einzelnen Stachelgliedern zusammen gefügten, offenen Kette, an deren Enden sich jeweils ein Ring befindet und einer, geschlossenen Kette, die durch diese beiden Ringe verläuft. Anzulegen ist der Stachelwürger recht einfach. Meiner musste die Stachelkette einfach an einem Glied öffnen, mir dann um den Hals legen und dann wieder zusammenfügen. Man kann die Stacheln nach innen oder nach außen tragen, ganz nach Belieben. Der Karabiner der Leine wird an der zweiten Kette befestigt und dann kann es auch schon losgehen.

Der Tragekomfort ist, zumindest mit den Stacheln nach innen etwas gewöhnungsbedürftig. Erstens ziepen die Haare ein wenig, wenn sie sich in den Gliedern verhaken, zweitens klappert das Ding dauernd und drittens drücken die Stacheln schon ein wenig, auch wenn ich, als wohlerzogener Terrier, nicht an der Leine ziehe. Ist schon ein bisschen ein komisches Gefühl. Jetzt haben wir dann aber den Test auch mit Ziehen gemacht. Langsam und gleichmäßig gezogen, spannt sich die hintere, geschlossene Kette und zieht dabei die Stachelkette immer weiter zu. Das ist, zunächst mal, ein mulmiges Gefühl am Kehlkopf, mit der zeit wird es allerdings recht schnell unangenehm. Nach längerem Ziehen merkte ich dann schon ganz deutlich, dass die Stacheln einzelne Schmerzherde verursachten, die Ihr Menschen glaube ich Hämatome – also blaue Flecken – nennt. Und ich hab gerade mal einen Häuserblock weit daran gezogen. Das Irre ist aber, dass selbst ich, der ja eigentlich nicht zieht, immer fester gezogen habe, weil die Drückerei mich fast rasend gemacht hat. Blutende Wunden habe ich mir nicht zugezogen, weil Meiner den Test dann abgebrochen hat. Da ich aber unbedingt testen wollte, wie das Ding in seiner vorgesehenen Art und Weise funktioniert, nämlich „einmal richtig feste rucken und dann hat sich die Sache mit dem Ziehen erledigt“, hatte ich ein Problem. Aber der Fotograf, der mitgegangen ist, hat Meinen überredet, es doch an seinem Arm auszuprobieren. Also habe ich mein eigenes Halsband wieder bekommen und er hat die Leine zwischen mir und dem Stacheldings an Meiner seinem Arm befestigt. Ja, und dann hab ich mal so getan, als ob da ein Häschen des Weges kommen würde. Das Ergebnis könnt Ihr euch auf dem Bild ansehen. Spätestens da wurde mir auch klar, warum das Stacheldings als „Tierschutzrechtlich bedenklich“ eingestuft ist und nur von sachkundigen Ausbildern benutzt werden darf. Was auch immer das heißen mag, schließlich kann man es in jedem Leckerchenladen frei kaufen. Jedenfalls hat Meiner mir ganz schön leid getan und ich glaube, er war sogar ein bisschen sauer auf mich. Mein, bzw. unser Testergebnis lautet jedenfalls: Die Dinger verursachen Schmerzen und gehören verboten. Und das Geklapper geht mir sowieso auf den Geist.

Euer Bertie

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© Hundeschule WIR2 |  Autor: Ralf Lindner | Vervielfältigung nur zum privaten Gebrauch | Veröffentlichung in jeglicher Form nur nach schriftlicher Genehmigung | Mehr zu „Bertie“ findet Ihr auf www.bertie-der-terrier.de und www.hundeschule-wir2.de

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