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Augen auf beim Welpenkauf! – Bertiegeschichte

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Hallo liebe Hundefreunde,

ich bin Bertie, der Terrier. Und ich erzähl gerne Geschichten. Geschichten über mich, Geschichten über uns Hunde, Geschichten über euch Menschen und über alles, was so anliegt oder mir gerade einfällt. Meistens sind die Geschichten lustig, manchmal auch ernst, aber fast immer wichtig.

Heute will ich euch mal was über Mischa erzählen. Mischa ist ein kleiner Malteser-Shih Tzu Mischling. Da sollte man doch meinen, der kleine Wonneproppen wäre kerngesund. Wahrscheinlich kommt so ein Mischling ja aus einer netten Familie, die ihn stets gut versorgt hat und Mischlinge gelten doch sowieso als besonders robust. Ja, ja …

bertieMischa hat es mit seiner neuen Familie gut getroffen. Sie sorgt prima für ihn, gibt ihm genug zu essen und beschäftigt den kleinen Racker artgerecht. Sie gehen sogar in die Hundeschule mit ihm. Nur, leider hatte der kleine Mischa einen denkbar schlechten Start ins Leben. Er wurde von einer so genannten Geburtsmaschine geboren. So bezeichnet man Hündinnen, die nur ein einzige Aufgabe haben: Möglichst viele Welpen produzieren! Mischas Mama lebte wahrscheinlich in Tschechien in einem Zwinger, in dem sie sich gerade mal umdrehen konnte und aus dem sie nur heraus kam, wenn sie neu gedeckt werden musste. Mit sechs Wochen wurden Ihr der kleine Mischa und seine Geschwister weggenommen. Die Kleinen wurden in einer engen Kiste nach Wesel – oder war es Dorsten, könnte auch gut sein – auf einen Bauernhof gefahren. Sie bekamen gefälschte Impfausweise, denn erstens ist impfen teuer und zweitens würde jeder deutsche Weißkittel sofort Verdacht schöpfen, wenn er alle sechs Wochen eine Schar von Welpen zum impfen, aber nie ein Muttertier zur Untersuchung vorgestellt bekommt. Da auch das Entwurmen zu teuer ist, fällt auch das meistens weg.

Mischas neue Familie las die Anzeige in der Zeitung: “Lustige kleine Welpen, Malteser-Schitzu-Mix aus liebevoller Bauernhof-Aufzucht abzugeben. Handy-Nr. Blablabla.” Sie riefen die Nummer an und es meldete sich eine freundliche Frau. Ja, es wäre noch ein neun Wochen alter Rüde da. 600,- Euro würde der kosten und sie sollten sich aber schnell entscheiden. Also, auf nach Wesel (oder eben Dorsten) auf den Bauernhof.

Och, da war die Auswahl aber groß. Da gab es nicht nur Shih Tzu Mischlinge, sondern auch Welpen  anderer Rassen und Mischlinge. Alles Welpen und alle zuckersüß! Nur keine Elterntiere. Auf die Frage nach Mischa´s Mutter wusste die freundliche Frau natürlich sofort eine Antwort. Das wäre zuviel Stress für die kleine Mama. Dauernd kämen Leute und nähmen ihr eins ihrer Kinder weg. Da hätte man sich entschlossen Mutter und Kinder auf einmal zu trennen, das wäre besser für die Psyche. Die kleine Nena fragte dann noch, warum denn der Mischa so einen dicken Bauch hätte. Auch diese Antwort kam prompt: Na, er hat wohl ein bisschen zu tief in den Futternapf geschaut – das Bäuchlein verschwindet schnell wieder.

Als Mischa dann zwei Tage bei seiner neuen Familie war, fing er an zu erbrechen – und hörte nicht mehr auf. Also ab zum Weißkittel! Der untersuchte den armen kleinen Mischa gründlich und stellte eine bittere Diagnose: Schlechter Allgemeinzustand, mehrere Arten Würmer und Infektion der Atemwege. Drei Tage stand der kleine Mischa auf der Kippe zwischen Leben und Tod. Natürlich hat Mischas’ neuer Papa bei der freundlichen Frau angerufen. Die tat auch ganz entsetzt und bot an, den kranken Hund sofort umzutauschen. Aber das kam für die Familie natürlich nicht in Frage, es wäre wohl auch Mischas’ Todesurteil gewesen.

Nach drei Wochen Behandlung, unzähligen Spritzen und 600 weiteren Euros ging es Mischa dann endlich wieder gut. Einen empfindlichen Magen-Darm-Trakt wird der Kleine aber wohl sein Leben lang behalten. Die Würmer hatten schon zu viel Schaden angerichtet. Geimpft ist er jetzt natürlich auch komplett neu. Die Handy-Nr. gibt es nicht mehr. Ein weiterer Besuch auf dem Bauernhof endete mit einem Rausschmiss. Vielleicht erreicht der Anwalt ja etwas.

Und die Moral von der Geschicht: Welpen ohne Mutter kauft man nicht! Schon gar nicht vom Bauernhof und erst recht nicht dort, wo es mehr als einen Wurf Welpen gibt. Und Mischlinge kosten auch keine 600 Euros. Auch wenn sie noch so süß sind!

Euer Bertie

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 © Hundeschule WIR2 |  Autor: Ralf Lindner | Vervielfältigung nur zum privaten Gebrauch | Veröffentlichung in jeglicher Form nur nach schriftlicher Genehmigung | Mehr zu „Bertie“ findet Ihr auf www.bertie-der-terrier.de und www.hundeschule-wir2.de

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