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Abschied vom Hund nehmen

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Die letzten gemeinsamen Schritte…

An dem Tag, an dem wir uns einen Hund ins Haus holen, gehen wir das Risiko eines unerträglichen Schmerzes ein. Es ist wichtig, darauf vorbereitet zu sein.

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem ich beim Tierarzt nach Auswertung der Befunde meiner erkrankten Boxerhündin die bisher schwerste Entscheidung meines Lebens treffen musste. Ich vereinbarte einen Termin und bezahlte die anfallenden Kosten im voraus. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen schönen und leichten Tod gekauft. (Euthanasie: griechisch εὐθανασία, von eu~: gut, richtig, leicht, schön; und thánatos: der Tod).

Elli H. Radinger hat es in ihrem sehr empfehlenswerten Buch „Der Verlust eines Hundes – und wie wir ihn überwinden“ perfekt wiedergegeben:
„Wenn es darum geht, ein leidendes Geschöpf zu erlösen, dann ist Euthanasie eine Frage der ethischen und praktischen Notwendigkeit, aber sie ist stets traumatisch für denjenigen, der die Entscheidung treffen und den richtigen Zeitpunkt finden muss. Es ist einerseits ein Teil der allumfassenden Verantwortung, die wir für unsere Tiere übernommen haben und andererseits eine Entscheidung, die im Augenblick des Geschehens unser Herz brechen wird.“

Um diese Entscheidung treffen zu können, ist es wichtig einen verantwortungsvollen Tierarzt an seiner Seite zu haben. Außerdem kennen wir unsere Hunde am besten und sollten ihnen richtig „zuhören“. Hinzu kommen verschiedene Symptome, wie z.B. starke Schwäche, viel tiefer und fester Schlaf (lässt sich kaum wecken), Verlust des Appetites, große innere Unruhe, Schmerzen, Schwierigkeiten bei der Atmung. Einzelne dieser Symptome können auch auftreten, wenn es dem Hund gerade mal nicht gut geht. Aber der Unterschied ist spürbar.

Mir haben verschiedene Rituale geholfen, die schwere Zeit zu meistern und den Sterbeprozess für den Hund zu erleichtern. Jeder sollte ganz tief in sich hineinfühlen und auf den Hund achten, um die für sich und seinen Hund richtigen Maßnahmen zu wählen.

  • Zeit für das gemeinsame Abschied nehmen
    Die Zeit habe ich sehr bewusst gestaltet und als sehr intensiv wahrgenommen. In 24 Stunden konnte ich mich und meine Hündin auf den letzten gemeinsamen Schritt vorbereiten.
  • Einschläferung in gewohnter Umgebung
    Auch wenn meine Hündin Tierärzte geliebt hat, war es zuhause ruhiger und persönlicher.
  • Vorbereitend mit dem Hund ins Gespräch gehen
    Ich habe gespürt, dass sie mich in meiner Traurigkeit nicht allein lassen wollte und habe viel mit ihr gesprochen und ihr gesagt, dass es in Ordnung ist und sie loslassen kann.
  • Unterstützung durch Naturheilkunde
    Ich habe meine Hündin mit Homöopathie und Bachblüten unterstützt. Es gibt verschiedene Entscheidungs- und Entspannungsmittel.
  • In den letzten Minuten beim Hund sein
    Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich ganz nah bei ihr sein durfte während sie diese Welt langsam verlassen hat.
  • Nach dem Einschlafen weiter da sein und ganz in Ruhe Abschied nehmen
    Ich habe anschließend Fotos gemacht, da ich Angst hatte, das friedliche Einschlafen zu vergessen. Es war, als ob sie schläft, nur dass sie nicht mehr geatmet hat.
  • den Hund beerdigen
    Ich hatte das Glück, den Hund auf dem Grundstück an einer Stelle, die er sich selbst ausgesucht hat, zu beerdigen. Das war sehr befreiend. Wenn diese Möglichkeit nicht besteht, gibt es andere Methoden, z.B. die Beisetzung auf einem Tierfriedhof oder die Einäscherung.
  • Die Trauer ist eine wichtig Zeit
    Mitmenschen, die unsere Trauer nach dem Motto „es war doch nur ein Hund“ belächeln, hatten wahrscheinlich noch nie eine so intensive Beziehung zu einem Tier. Trauer ist ein Gefühl und niemand hat das Recht, darüber zu urteilen.
  • Briefe oder Tagebuch schreiben
    Ich habe damals angefangen, über jeden Tag einen kurzen Bericht zu schreiben – adressiert an meinen Hund. Das hat mir sehr geholfen, den Schmerz loszulassen und die Erinnerung festzuhalten.

Wenn wir vorbereitet sind auf das, was kommt und wir uns Gedanken über den Umgang damit machen, können wir das JETZT noch mehr genießen. Ich wünsche allen eine lange unbeschwerte Zeit mit ihren Vierbeinern.

autor_romy_Schmidt

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Meinungen unserer Leser zum Artikel: Abschied vom Hund nehmen

  • Ein ganz großes Lob an Euren Artikel zum Thema Sterbebegleitung beim Hund und Palliativmedizin. Ich habe diesen Weg gerade hinter mir und es war sicher eine schwere, aber auch wunderschöne und sehr intensive Zeit mit meiner Hündin Shiva. Sie hatte aufgrund eines inoperablen Tumorrezidives einen präpubischen Dauerkatheter – was erstaunlich gut funktioniert hat – und ist von unserem wundervollen Tierarzt ganzheitlich begleitet worden. Wieviel Freude sie trotz allem, was sie durchmachen musste, hatte, zeigen diese Bilder. Sie hat sogar bis kurz vor ihrem Tod gemeinsam mit ihrem besten Freund ein ganzes Rudel durch die Wälder geführt. Ich vermisse Sie so s und bin unendlich dankbar für die gemeinsame Zeit
    Liebe Grüße aus Berlin,
    Patricia

    Patricia 3. Dezember 2015 13:16

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